Sedona • Unter Cowboys und New Age-Pilgern

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Meditation in den Red Rocks

Eine der schönsten Straßen Arizonas ist der Highway 179, der auch nach Sedona führt. Umgeben von den spektakulären Red Rocks, ist der Künstlerort in den letzten Jahren zum Mekka der New Age-Bewegung geworden.

Einsam reitet John Wayne auf seinem Pferd durch die Prärie, vorbei an riesigen roten Felsformationen in einen noch roteren Sonnenuntergang. Musik, Abspann, der Film ist aus. Doch John Wayne ist tot und sein Pferd auch. Die Landschaft aber, sie lebt. Nur mit dem Unterschied, dass sich heute keine einsamen Helden auf Pferden durch die Steppe quälen, sondern Lawinen von Blech in Form moderner Autos. So zumindest auf dem Highway 179, der in den kleinen Künstlerort Sedona führt.

Im Schneckentempo fahren die Autos durch eine spektakuläre Landschaft, die als eine der schönsten in Arizona gilt. Selbst Einheimische haben einen Fuß auf der Bremse, um auf der kurvenreichen Straße ja keine neue Perspektive auf die leuchtenden Felsen mit ihren schroffen Formen und steilen Canyons zu verpassen. Spätestens jetzt wird klar: Der 48. Staat der USA hat weit mehr zu bieten als nur den Grand Canyon.

Ein Name muss her

Die Felsen rund um Seodna haben Spitznamen.
Cathedral Rock ist der klingende Name dieses Felsens

Die roten Felsen haben Sedona berühmt gemacht. Deshalb haben die meisten von ihnen auch einen Namen erhalten: Coffeepot Rock, Bell Rock, Cathedral Rock oder einfach Snoopy.

Der Name der Stadt allerdings ist einem einfachen Poststempel zu verdanken. 1902 ließ sich ein gewisser Carl Schnebly mit Familie am Oak Creak-Fluß, der heutigen Stadtmitte nieder, legte Obstplantagen an und baute eine Pension. Irgendwann wuchs das Bedürfnis nach einem Postamt und ein offizieller Name für die wachsende Siedlung musste her.

Man überlegte hin und her und irgendwann kam der Name von Schneblys Frau Sedona ins Spiel. Dann ging alles ganz schnell: Die Poststation wurde gegründet, der Stempel geprägt und der Ort hatte seinen Namen. Einheimische erzählen diese Geschichte immer wieder, jedoch nicht ohne anzumerken, wie froh sie seien, nicht in Schnebly Station zu wohnen.

Hollywood kommt

In den vierziger Jahren entdeckte Hollywood die atemberaubende Szenerie als perfekte Kulisse für seine Westernklassiker und John Wayne kam tatsächlich nach Sedona. Und mit ihm Größen wie Jimmy Stewart, Joan Crawford, Burt Lancaster oder Robert Mitchum. Nach der Western-Ära wurde es ruhiger; doch man erinnert sich gerne an die Zeit, als Männer noch echte Cowboys waren.

Dave, der jeden Tag im Cowboy Club isst, lebt von diesem Image. „Im Handumdrehen mache ich Dich zum Cowboy“, prophezeit er einem Gast an der Theke. Dave hat eine Boutique für Westernstiefel und sonstige Wild-West-Accessoires. Boots, in allen Farben und Größen kann man bei ihm kaufen, dazu passende Gürtel, bei denen die Schnalle mehr wiegt als eine fünf Kilo Hantel. Auch für die Dame vom Land hat er einiges im Angebot: Hüte, Fransenblusen, Westen und lange Röcke. Die Welt im Wilden Westen ist bunt – für die Auswahl in Daves Laden stimmt das sicherlich.

Selbst eine Kirche wurde auf die Felsen gebaut
Selbst eine Kirche wurde auf den Felsen gebaut

Treffpunkt Cowboy Club

Mit seinen fünfzig Jahren ist der rustikale Cowboy Club zu jung, um die Schnebly-Familie erlebt haben zu können, aber alt genug, um die Leinwandhelden der fünfziger Jahre zu bewirten. Jedenfalls wird damit geworben. In der Küche wird traditionell amerikanisch gekocht: Steaks und Spareribs, aber auch gebratene Schlange und frittierter Kaktus. Letzteres wird eher von Touristen geordert. Dave dagegen hält mehr von einem ordentlichen Hamburger.

Mekka für New Age-Anhänger

Seit den achtziger Jahren erlebt die kleine Stadt einen neuen Boom. Das liegt nicht an den vielen Künstler, die in den letzten Jahren ihre Ateliers und Galerien eröffnet haben, sondern an magischen Energiefeldern, die in der Felsenlandschaft vermutet werden. Sedona ist zu einem Mekka für New Age-Anhänger, Esoterikern und Sinnsuchenden geworden.

Viele kommen, um sich selbst zu finden, oder Kontakt mit dem Jenseits aufzunehmen. Inzwischen sind die Energiefelder auf jedem Stadtplan verzeichnet, die Industrie mit den modernen Pilgern floriert. An jeder Ecke gibt es Angebote von Kartenlegern, Auralesern, Heilern oder Reikilehrern.

Pete A. Sanders, Neurologe und Autor vieler Bücher zur übersinnlichen Wahrnehmung, hat das Phänomen der Energiefelder genauer untersucht. Sein Rat: Jemand der meditieren, beten oder einfach mit dem Universum verschmelzen will, sollte eine Energiequelle auf einem Felsen suchen, Menschen in Sinn- und Lebenskrisen eher die in einem Tal.

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Auf Tuchfühlung mit der Natur

Wer das nicht alleine tun möchte, kann sich einer geführten Tour anschließen. Zum Beispiel bei Kate Vrmeer, die sich auf Yoga- und Pflanzentouren in den Red Rocks spezialisiert hat.

Wenn sie morgens ihre Gäste aus dem Hotel abholt, ahnen die meistens noch nicht, dass sie nur wenig später einen Baum innig umarmen werden, um in Kontakt mit der Natur zu treten. Oder mit geschlossenen Augen in einem Kreis sitzen, die Kraft der Energieströme aus dem Boden aufnehmen und die Landschaft aus sich heraus sprechen lassen.

Mit welcher Absicht man auch immer durch die Red Rocks wandert, ein spektakuläres Naturerlebnis ist es allemal.

Fotos: Sedona Chamber of Commerce und Bettina Hagen